Die Begriffe «Industrie 4.0» und «Digitale Transformation» sind in der Praxis weit weniger mystisch als in Medien und Studien präsentiert. Der digitale Wandel ist ein kontinuierlicher Prozess und hat in vielen Firmen schon vor einiger Zeit begonnen. Dementsprechend verfügt die Mehrheit der Schweizer Unternehmen über eine gute bis sehr gute IT-Grundlage. Unter der Devise «schneller, besser, günstiger» wurden die Zeichen der Zeit schon lange erkannt. Den unaufhaltsamen Veränderungen wie globale Marktveränderungen, Konkurrenzdruck, schwindende Margen und Online-Boom wurde nicht einfach ratlos entgegengesehen. Die Dynamik der Märkte und der ständige Wettbewerbsdruck sind inzwischen zu konstanten Rahmenbedingungen für KMU geworden. Unter diesen Prämissen ist es logisch, dass es für Schweizer Unternehmen nur eine Vorwärtsstrategie gibt. Dazu braucht es entsprechende Methoden, Modelle und – spätestens seit den 1990er Jahren – auch leistungsfähige IT-Systeme.

Datenmotoren, Informationsgeneratoren, Prozessbeschleuniger

Dank der permanenten Weiterentwicklung von Unternehmensanwendungen, insbesondere von ERP-Systemen, stehen heute integrierte Lösungen für sämtliche Geschäftsbereiche zur Verfügung. IT-unterstützte Arbeitsprozesse haben den Vorteil, dass sie dank zentraler Daten und automatisierten Funktionen deutlich effzientere Abläufe ermöglichen. Dabei sind die Handlungsfelder naturgemäss sehr vielfältig. Wer mittels Software sein Business weiterbringen will, sollte sich jedoch als erstes vom funktionalen Denken lösen. ERP-Systeme sind weit mehr als nur elektrische Schreibmaschinen. Es sind leistungsfähige Datenmotoren, Informationsgeneratoren und Prozessbeschleunigungsmaschinen, welche Unternehmen den Zugang zu neuen Geschäftsmodellen ermöglichen. Richtig eingesetzt, steigern IT-Anwendungen den Wirkungsgrad von Arbeitsleistungen um ein Vielfaches und können dadurch für die betriebliche Existenz entscheidend sein.

Business und Prozesse im Fokus

Wer sich anstelle eines funktionsorientierten Ansatzes mit einem Prozess- und Businessorientierten Fokus an ein ERP-System wagt, wird einen deutlich höheren Nutzen erzielen. Dieser Fokus könnte beispielsweise auf einer besseren und günstigeren Produktentwicklung liegen, einem umfassenderen Dienstleistungsangebot, der Einführung einer schlankeren Organisation, der Etablierung unternehmensübergreifender Kooperationen, der Reduktion der Fertigungstiefe und vieles mehr. Behauptet man jetzt, dass diese «Rezepte» nicht neu sind, ist das absolut korrekt. Auch die unternehmensweite IT-Durchdringung gibt es schon lange, aber erst seit neuer Zeit ist sie in aller Munde. Neuer Wein in alten Schläuchen? In gewissem Sinne ja, jedoch mit dem deutlichen Vorbehalt, dass der Fortschritt in Sachen Technologisierung, Automatisierung und Digitalisierung – vor allem dank des allgegenwärtigen «Internets» – die heutigen ERP-Systeme massgebend prägt. Es stehen neue Möglichkeiten zur Verfügung. Deren geschäftsrelevante Nutzung (nebst der funktionalen Anwendung) will jedoch gelernt sein.

referate_siegenthalerOhne Schweiss (und Fleiss) kein Preis

Die gute Nachricht: Moderne IT macht Unternehmen tatsächlich entscheidend kompetitiver. Die schlechte Botschaft dazu lautet, dass es dafür einiges an Aufwand und auch Sachkenntnisse braucht. Ohne Schweiss und Fleiss kein Preis – die Einführung und effektive Nutzung von Business Software ist Leistungssport in mehreren Disziplinen, variierend zwischen Mannschaftssport und Einzelwettkampf. Dabei sind sowohl Sprint- als auch Ausdauerfähigkeiten gefragt. Intellektuelle Reserven und organisatorisches Talent sind unabdingbar, emotionale und physische Belastbarkeit ist eine Grundvoraussetzung. Die Individualität des Spielfeldes, sprich des einzelnen Unternehmens, bringt es mit sich, dass Patentrezepte wenig taugen. Häufig beschränken sich diese auf methodische, nur bis zu einem gewissen Grad übertragbare Ansätze. Ebenso ist Vorsicht geboten bei «Allheilwundermittel»-Standardlösungen für jede Unternehmensgrösse in allen Branchen zu jedem Zeitpunkt und bei allen Beschwerden. Fragen Sie lieber eine Fachperson oder lesen Sie die Packungsbeilage: In Ermangelung des letzteren Dokuments, ist es ratsam, bei der Auswahl und bei der Anwendung einer Unternehmenslösung auf die Dienste eines Beraters des Vertrauens zu zählen. Solche Fachleute kennen nicht nur den Softwaremarkt bzw. die Stärken und Schwächen der verschiedenen Systeme, sie können auch eine gezielte Empfehlung abgeben, welche Lösung am besten zu den kundenspezifischen Anforderungen und Möglichkeiten passt. Zudem sind sie in der Lage (oder sollten es wenigstens sein), Unternehmen bei der Einführung und konkreten Anwendung eines Systems zu beraten und zu unterstützen.

Management-Tool für das ganze Unternehmen

Buch_SiegenthalerModerne Business Software bietet funktional eine enorme Bandbreite. Ein ERP-System soll dazu dienen, alle für das Unternehmen relevanten Daten zur Bewirtschaftung der Ressourcen zu integrieren und damit operative und strategische Engscheidungen zu ermöglichen. Logisch ist auch, dass die Entscheidungen auf gut aufgebauten und sinnvoll dargestellten Daten beruhen sollten. Dass die entscheidungsrelevanten Daten an vielen Stellen erfasst werden müssen, geht in der betrieblichen Hektik manchmal etwas vergessen. Für die nutzenstiftende Anwendung eines Systems muss klar sein, wo welche Daten generiert werden und wie diese schliesslich als Entscheidungsgrundlage ausgewertet werden sollen. In der Regel sind Unternehmen an Informationen über Ressourcen interessiert wie zum Beispiel Personal, Zeit und Geld. Doch damit nicht genug: Informationen müssen nicht nur gewonnen, sondern auch interpretiert und daraus die richtigen Massnahmen abgeleitet werden. Wer das ERP-System als Management-Tool auf allen Ebenen nutzt, kennt den Pulsschlag seines Unternehmens und kann dessen Entwicklung aktiv mitgestalten.

Dr. Marcel Siegenthaler

Dr. Marcel Siegenthaler ist Partner der schmid + siegenthaler consulting gmbh und unterstützt Unternehmen bei der Evaluation und Einführung von Business Software. Er leitet das Consulting Team von schmid + siegenthaler.